Aorangi Project Blog

adventures of inga and chris

Die letzte Meldung von der anderen Seite Mai 31, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 12:57 am

Nun ist es soweit. Dies ist der letzte Eintrag von uns von der anderen Seite der Erdkugel!!

Denn am 7.6. geht’s zurueck nach Deutschland, wo wir hoffentlich dann auch die sommerlichen Temperaturen geniessen koennen, die von einigen schon vorangekuendigt wurden. In Neuseeland bleibt’s naemlich kuehl, genau genommen wird es stetig kaelter.

Trotzdem haben wir uns letzte Woche aufgemacht zu einem kleinen Abenteuer und sind per Anhalter gefahren – nicht durch die Galaxis, sondern bis zum fast noerdlichsten Punkt Neuseelands, dem Cape Reinga. Dort mussten wir natuerlich schon aufgrund des Namens einmal gewesen sein. Also standen wir am Donnerstag Morgen an der Strasse mit gepackten Rucksaecken, hielten den Daumen raus und hofften, die fast 300 km bis zum Kap an einem Tag zu schaffen. Ein ehrgeiziges Ziel, denn je weiter wir nach Norden fuhren, umso weniger Autos bewegten sich in unsere Richtung. Was verstaendlich ist, wenn man bedenkt, dass wir uns direkt in eine „Sackgasse“ hineinbewegten, die noch dazu fast nur von Touristen befahren wird, die ueberdies nicht gerade zahlreich anzutreffen waren, schliesslich ist ja gerade keine Saison!

Nach einigen Ueberraschungen – wie einer Nacht im Gemeindehaus und einer ungeplanten anderthalbtaegigen Wanderung – kamen wir letztlich am Samstag am Kap an. Der Rueckweg verlief dann fiel besser und brachte uns noch am Samstag Abend direkt vor unsere Haustuer! Das muss man erstmal schaffen! Noch bleiben uns einige Tage fuer ein weiteres Anhalter-Abenteuer zur westlichen Kueste, wenn das Wetter mitspielt.

Die Bay of Islands haben wir mittlerweile auch schon ziemlich erkundet, sogar ein Ausflug zu einer der aeusseren Inseln war drin. Denn an einem Sonntag waren wir stolze Mitglieder der 70 Koepfe starken „Freiwilligenarmee“ zum Planting Day. 70 Menschen, davon ganz viele Kinder, sogar eine halbe Schulklasse, Wahnsinn, ! Kein Wunder, dass die 2000 Baeume in weniger als 3 Stunden in der Erde waren und wir dnach noch genug Zeit hatten, die Insel zu erkunden, bevor uns das Schiff wieder abholte.

Gerade dieser Tag hatte viele Erinnerungen an die Zeit geweckt, die wir in Neuseeland verbracht haben … alles in allem war es fuer uns genau die richtige Entscheidung, ein paar Monate auf der andere Seite der Kugel zu leben. Aber jetzt geht’s zurueck!! Bis bald!

c

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Pauschalurlaub? Mai 16, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 3:51 am

Anlaesslich der Vermutung einer uns nahestehenden Person, es handele sich bei unseren letzten Neuseelandwochen in der Bay of Islands nun wohl doch um einen Pauschalurlaub der Kategorie „das -rundum-wohlfuehl-angebot“, sehe ich mich veranlasst, in kurzen Saetzen ueber unsere Aktivitaeten der vergangenen Tage zu berichten.

Denn auch mit der gemuetlichen Wohnung als „base camp“ sind wir dennoch unterwegs und genehmigen uns sogar etwas Kulturgenuss. Genauer, Kunst, denn der Nachbarort Kawakawa ist nichts weniger als die letzte Wirkungsstaette des Kuenstlers Friedensreich Hundertwasser! Er hatte sich in den 70ern ein Farmgrundstueck nahe des Dorfes gekauft und dort bis zu seinem Tod im Jahr 2000 gewohnt und gearbeitet. Und natuerlich seine Spuren hinterlassen, nicht nur im Dorf Kawakawa in Form der gruenen Toilettenanlage, sondern vor allem in den Koepfen und Herzen dieser kleinen Kommune, die folglich trotz ihrer winzigen Groesse einiges an kuenstlerisch Interessantem zu bieten hat. Hier die Toiletten:

A propos Kultur: Paihia muss wohl als die geheime Hauptstadt der neuseelaendischen Countryszene gelten, wie wir am letzten Wochenende (leidvoll) feststellen mussten. Von Freitag an bevoelkerten ploetzlich allerlei lustige Gestalten mit Hueten und Stiefeln die Strassen und hoerten den zahlreichen „Musikern“ zu. Diese zeichneten sich vor allem dadurch aus, ihre Stuecke vom Computer aus ueber die Lautsprecher zu schicken und zur Konservenmusik zu traellern. Naja, wem’s gefaellt … wenigstens die Indianer waren angetan:

Da war uns die Flucht im Boot dann doch lieber. Bis jetzt haben wir zwar leider noch kein Anglerglueck gehabt, auch wenn wir schon mehrmals nah dran am grossen Fang waren. Aber was soll’s, das Paddeln allein schon bringt uns so viel Freude und Freiheit, dass die Fische ganz nebensaechlich werden:

Unsere erste Tagestour haben wir nun schon hinter uns und wir ueben weiter viel, um einerseits unsere Paddeltechnik und -kraft zu verbessern und andererseits die Tuecken des Ablegens und Anlandens bei Wellengang trockener zu ueberstehen … was beim letzten Mal noch zur Ganzkoerperdusche gefuehrt hat! Wenn uns das Wetter eine Chance lassen sollte, waere in der naechsten Zeit dann auch ein noch laengerer Ausflug drin.

Leider aber sind die Naturgewalten in den letzten Tagen etwas unbeeindruckt von unserem Hoffen. Was so losging:

bedeutet nun schon seit Sonntag Regen, starken Wind und Kaelte. Aber wir haben ja immer noch unser base-camp!

c

 

Ein Haus, ein Boot, eine Brotmaschine Mai 5, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 2:51 am
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Nun ist es soweit, die letzte Etappe ist angebrochen!

Das heisst konkret, wir sind in der Bay of Islands gelandet (vor einer Woche), haben das Meer vor uns und den Wald hinter uns. Nun ja, leider koennen wir das Wasser nicht vom Bett aus sehen … dennoch haben wir uns gemuetlich eingerichtet.

Erstens: seit Dienstag sind wir sesshaft geworden in einer kleinen Wohnung in einem Holzhaus mit grosser Terasse. Nichts grosses, aber eben eine feste Bleibe, oder auch eine Basis fuer viele Erkundungstouren in Northland, denn ohne Auto ist unser Gepaeck doch zu umfangreich und schwer, um mit allen Sachen „on the road“ sein zu koennen.

Hier der Blick nach drinnen … :

… und der Blick nach draussen (immer mit Morgensonne bis ca. 12 Uhr!):

Zweitens: Anstatt uns weiterhin vom weichen neuseelaendischen Toast ernaehren zu muessen, sind wir nun stolze
Besitzer einer kleinen Brotmaschine! Denn leider hat die Wohnung keinen Ofen … ja, die kleinen dinge machen das Leben angenehm!

Drittens: Unser Traum, die Zeit mit viel viel Paddeln im Boot zu verbringen (jener Traum, der sich spaetestens in den Sounds ganz konkret herausgebildet hatte), ist nun in Erfuellung gegangen:

Dieses rote Kayak inklusive Paddeln, Westen etc. haben wir hier vor Ort fuer wenig Geld gemietet und koennen nun jeden Tag, so lang wir wollen, auf dem Wasser unterwegs sein, fischen, die Inseln erkunden und dort uebernachten usw.!

Mit all diesen Moeglichkeiten, die uns nun offen stehen, werden die letzten viereinhalb Wochen Neuseeland wahrscheinlich ziemlich schnell vorbei gehen. Einserseits leider, andererseits aber auch gut so, denn schliesslich freuen wir uns auf die Rueckkehr … und alle, die diesen blog lesen und gelesen haben.

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Das Land, wo man neue Grosseltern findet und Autos in 5 Minuten verkauft April 29, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 8:55 am
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So koennte der Titel des Films lauten, der unser Leben hier in den letzten Wochen beinhalten wuerde. Oder so aehnlich.

Ja, viel ist passiert in der letzten Zeit und im Moment, in dem ich diesen Artikel hier schreibe befinden wir uns schon wieder an einem ganz anderen Fleck Neuseeland, weit im Norden. Mehr dazu aber in einem anderen Artikel, vielleicht morgen schon.

Vor einigen Wochen brachen wir ja von Christchurch auf, um unser lieben gelerntes Auto zu verkaufen. Nach einem kurzen Stopp zum Klettern fuerhte uns der Weg nach Dunedin, wo wir 10 Tage verbrachten. Die Stadt gefiel uns, die Umgebung ebenso (wir haben wieder mal Pinguinen nachgestoebert), doch darueber moechte ich jetzt mal keine Worte verlieren. Eine viel wichtigere Entdeckung waren Phyllis und Mervyn, unseren neuen Kiwi-Grosseltern.

Wir hatten beide in der Naehe von Invercargill getroffen und sie luden uns ein, sie in ihrem kleinen Haus in Dunedin zu besuchen. Diese Einladung konnten wir freilich nicht ausschlagen. Die beiden sind ueber 80, topfit, immer noch im Caravan unterwegs und ueberdies voellig unkompliziert was das Beherbergen von Gaesten angeht. Und so wurden es schnell ein paar mehr Tage, die wir im gemuetlichen Bett im Haus verbrachten, Kochrezepte austauschten, gegenseitig Geschichten erzaehlten … Inga lernte stricken und haekeln … eben ein richtiges Zusammenleben mit Oma und Opa (oder so aehnlich). Am letzten Tag luden sie uns gar zu einer Spritztour (unsere troubble bubble hatte sich einen Nagel eingefangen und musste mal wieder pausieren) an der Kueste ein, wo dieses Foto entstanden ist:

 

Ach ja, das Auto: einige Menschen zeigten sich schon interessiert, allerdings waren alle aus Christchurch! So war klar, das wir wieder nach Norden zurueckkehren mussten, Was wir am Montag vor nun fast 2 Wochen taten. Kurz vor 5 Uhr trafen wir wieder in unserer chilenischen WG ein und um 5 hatten wir unseren ersten Termin zur Autobesichtigung. Etwa 20 nach 5 waren wir die Karre los und umd 4000 Dollar reicher!!!! Und zwar cash! Inga erkannte sofort den Wert einer solchen Summe:

Der Wahnsinn! Bedenkt man, dass wir beim Kauf 3500 Dollar ausgaben, haben wir so gar kein schlechtes Geschaeft gemacht … allerdings hatten wir ja auch einige Reparaturen zu bezahlen. Mit allem drum und dran und einer beachtlichen Summe an Benzingeld haben wir fuer mehr als 7 Monate letztlich rund 4500 Dollar am Auto gelassen. Nicht schlecht.

Nun entstand ploetzlich die Frage, wie wir ohne Auto mit all unserem Gepaeck wieder nach Norden zurueckkehren sollten? Fliegen? Mit dem Bus fahren? Nein!

Wir fanden eine andere Variante in der Form eines Mietautos, welches wir in 5 Tagen bis gestern (Samstag) von Christchurch nach Auckland zurueckbrachten, eine sogenannte relocation. Wir bezahlten dabei nur das Benzingeld und unsere Tickets fuer die Faehre, was eine gemuetliche, einigermassen preiswerte Sache war und uns ermoeglichte, Alan und Susen (unsere Bekanntschaft aus den Sounds) in Wellington zu besuchen und einen Tag an den Vulkanen der Nordinsel zu verbringen. Und unter einem Wasserfall spielende Baby-Robben gab’s auch noch dazu. Hier unser Zeit-Van (wir spekulierten auf den gruenen, aber unserer ist der silberne):

Auckland sahen wir gestern nur kurz, fuer uns ging’s direkt weiter nach Norden zu unserem letzten Neuseeland-Abenteuer. Mehr dazu bald …

c

 

Christchurch – Eine lebendige Stadt April 5, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 3:30 am
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Nach einigen vergangenen Tagen ist es nun mal wieder Zeit fuer ein kleines update.

Die Westkueste im Ruecken, kamen wir vor gut 2 Wochen am Arthur’s Pass an, vor uns eine weitere Huettenwanderung durch die Berge. Die musste allerdings zunaechst noch warten, denn das Wetter spielte nicht ganz mit. So verbrachten wir einen kalt-nassen Tag am Pass, hatten allerdings nette Gesellschaft durch einen Kea (der die umliegenden Zelte zerpflueckte) und eine Maus (die sich ein wenig in unseren Essensvorraeten vergnuegte). Am Morgen unseres geplanten Starts stellte sich aber eine Neuigkeit ein, die wir nicht erwartet hatten: „trouble bubble“, unser kleines silbernes Gefaehrt, hatte wieder einmal eine Verletzung und musste schleunigst ins Krankenhaus! Ueber die genauen Umstaende werden wir spaeter an anderer Stelle berichten. Jedenfalls riefen wir den Kiwi-ADAC, der einen Krankenwagen schickte und den Patienten (und uns) ins VW-Hospital nach Christchurch brachte – die Wanderung war geplatzt, wir verbrachten die Nacht anstatt in einer einsamen Berghuette in einem gut belebten Hostel mitten in einer neuseelaendischen Grossstadt. Na toll!

Doch mittlerweile haben wir ja genug von der hiesigen „sweat as“-Einstellung intus und haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Statt dessen haben wir zunaechst intensiv nach einer besseren Bleibe Ausschau gehalten, die wir auch gleich am Folgetag fanden. Und zwar in Form einer grossen chilenischen WG in einem Haus etwas ausserhalb des Zentrums! Inga war uebergluecklich, denn nun konnte sie ihr geliebtes Spanisch wieder sprechen! Wir mieteten uns fuer eine Woche ein, denn von der Werkstatt, Entschuldigung, dem Krankenhaus, erwarteten wir einen laengeren Aufenthalt fuer unseren Patienten. Die 7 Tage wurden sehr intensiv, wir kochten gemeinsam, verbrachten viele Abendstunden zusammen und wir lernten so alle unsere „Mitbewohner“ kennen, v.a. auch die Gruende fuer ihren Aufenthalt in Neuseeland. Nur so viel: ein Lebensprojekt uebertrifft das andere an Hoffnungen, aber auch an Schwierigkeiten! Hier unser Haus:

Und hier Joel, Marcello und Inga, kurz vor der Einnahme der leckeren chilenischen Suppe:

Aufgrund unserer luxurioesen Wohnung hatten wir genug Zeit und Ruhe, Christchurch zu erkunden, eine Sache, die wir bis dahin nicht sehr ins Auge gefasst hatten. Denn ein bisschen mulmig wegen der Erdbeben war uns schon! Aber in den ganzen Tagen gab es nur einmal ein merkbares, aber sehr kurzes Poltern mitten in der Nacht, zum Glueck. Die Schaeden der letzten grossen Beben sind allerdings natuerlich ueberall sichtbar, nicht nur am gesperrten Zentrum, was als „red zone“ bezeichnet und Stueck fuer Stueck abgetragen wird – ein Wiederaufbau an gleicher Stelle ist ausgeschlossen. Christchurch ist traumatisiert, ganz bestimmt. Aber die Stadt lebt auch, ja, ist sogar sehr lebendig und ueberall begegneten uns Zeichen einer sich neu entwickelnden Gemeinschaft, die so wohl undenkbar waere ohne die Zerstoerungen. Ueberall wird gemeinsam angepackt und neu gestaltet, gedacht, Hilfe angeboten etc. Vor allem einige kreative Projekte haben nun Raum (im wahrsten Wortsinne), um zu gedeihen – so z.B. Strassenpianos, eine oeffentliche Tanzflaeche, Outdoor-Kinos, Strassenschach usw. Fuer uns war das natuerlich Grund genug, alle diese Plaetze aufzusuchen und Christchurch aus einem anderen, optimistischen Blickwinkel zu betrachten – und viel Spass zu haben beim Klavier Spielen, im Kino und beim Tanzen! Ein kuenstlerisches Beispiel des „new ChCh“:

Bei all diesen Aktivitaeten ging die Zeit freilich schnell herum, doch waren wir auch nicht traurig, nach einer Woche weiterzufahren mit dem genesenen Patienten. Nach so viel Stadt und Trubel strebten wir wieder nach etwas Ruhe und „mieteten“ uns folglich fuer 3 Naechte in einer Huette ein, welche uns beste Moeglichkeiten zum Klettern in der Naehe versprach. Ganz allein waren wir nicht, zumindest in der Huette, doch die Zeit am Fels war grossartig, auch ein wenig atemberaubend:

Nun sind wir auf dem Weg in die Studentenstadt Dunedin, wohl unser letztes Ziel auf der Suedinsel, denn in den naechsten Tagen wollen wir alles daran setzen, unseren fahrbaren Untersatz zu einem nennenswerten Preis zu verkaufen. Mal sehen, ob uns das gelingt!

c

 

Die Westkueste hoch und runter März 23, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 1:20 am
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Hallo hallo hallo an alle und willkommen zu einem neuen, etwas weniger aufregenden Artikel. Schliesslich koennen wir ja nicht alle Tage unsere Zeit in reissenden Fluessen verbringen.

Stattdessen haben wir uns ins Auto gesetzt und einige Kilometer zurueckgelegt, und zwar an der tollen, wilden Westkueste der Suedinsel. Diese ist nirgendwo breiter als 40 km, ist sozusagen zwischen dem Meer und den Alpen eingeklemmt. Wer ein wenig von der geographischen Lage Neuseelands versteht – isolierte Inseln, die meist feuchte Westwinde abbekommen – kann nachvollziehen, dass all das Wasser in der Luft an den Bergen haengenbleibt und sich an der Westkueste (also auch im Fjordland) abregnet. Alles weitere kann man sich ja vorstellen …

So hatten auch wir zwangslaufig mit Regen zu tun, allerdings weniger viel als erwartet. Dennoch sollte der Neuseeland-Traveller nicht enttaeuscht sein, wenn er den weiten Weg zur amazing westcoast zurueckgelegt hat, in der Hoffnung auf tolle Kueste-Regenwald-Berge-Gletscher-Panoramen, und dann hiermit konfrontiert ist:

Sicher, sieht auch nett aus, aber verglichen mit dem Foto aus dem Reiseprospekt vielleicht etwas weniger aufregend. Wer das Prospektfoto sehen will, der sollte im www mal nach Bildern des Mt. Cook suchen, die vom Lake Matheson aufgenommen wurden. Das ist naemlich so ziemlich die Stelle, von der unser Wolkenpanorama stammt.

Aber wir waren nicht enttaeuscht und haben dennoch die Hauptattraktion der westcoast besucht: den Fox und den Franz Josef Gletscher, spaeter sogar auch mit mehr Aussicht und Sonne. Das besondere an diesen Gletscher ist, dass sie sich von den Berggipfeln bis fast auf Meereshoehe herunterschieben, staendig genaehrt durch das feucht-kalte raue Klima, und so dort auf den gruenen Regenwald treffen. Nirgendwo sonst auf der Welt existieren Gletscher so tief unten, nirgendwo mixt sich Eis mit Regenwald. Das ist faszinierend und wir waren daher auch wirklich beeindruckt. Doch so eine Attraktion zieht natuerlich Touristen in solchen Massen an, dass der Vergleich mit Sandflies, welche zu ihrem naechsten Opfer ausschwaermen, gar nicht so unpassend erscheint. Jaja, der Massentourist, das ist schon eine ganz besondere Spezies. Sie tritt, wie der Name sagt, in grosser Zahl auf, sammelt sich an raeumlich ueberschaubaren Orten, draengt sich aneinander und nimmt ihre Umwelt groesstenteils indirekt war – naemlich durch die Linse, aehm, den Bildschirm, ihrer Kamera. Dabei ist der Massentourist immer auf der Suche nach dem ultimativen Foto und somit bereit, einige Risiken einzugehen. Kein Wunder, dass  Risikobereitschaft sowie Kamerawahrnehmung des Massentouristen und die lebensgefaehrliche Gletscherwelt (Achtung! Tonnenschwere Eisschollen brechen ab! Gletscherspalten sind tief!) eine etwas fragwuerdige Mischung ergeben. Die Kiwis suchen daher fieberhaft nach Moeglichkeiten, mit dieser Mischung irgendwie umzugehen und das Schlimmste zu verhindern. Am Fox Glacier signalisiert einem daher dieser nette Herr ein klares ¨Stopp! Nicht weitergehen!¨. Danke, Mr. Fox, dafuer gibt es ein freundliches give 5!

Nach einer groesseren Gletscherwanderung am anderen Glacier fuhren wir weiter nach Norden, bis zu den sogenannten Pancake(Pfannkuchen)-Rocks und dem Paparoa Nationalpark. Auch sehr schoen, aber auch wieder einigermassen voll. Dennoch genehmigten wir uns eine kleine Schluchtwanderung. Eine grosse haetten uns unsere mueden Beine auf nicht verziehen, die vielen langen Abstiegen der letzten Zeit waren allesamt nicht ohne! Wir entschieden daher, die Westkueste nach gut einer Woche zu verlassen und aufzubrechen zu neuen Abenteuern und dem Ziel Arthur´s Pass. Kurz vor dem Abschied allerdings fanden wir noch diesen Strand, mit einem noch gluehenden Feuerrest vom Vorabend. Da mussten wir einfach noch etwas Holz auflegen! Good bye, westcoast!

c

PS: Der Fluss-Artikel hat nun auch ein paar Fotos!

 

„Im Fluss“ oder „wie der Fluss dem Pass die Show stahl“ März 17, 2012

Filed under: posts from nz — wuestenkuh @ 1:20 am
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Dieser Text – nicht gerade „im Fluss“ verfasst – handelt davon, wie es sich anfuehlte „im Fluss“  zu sein, waehrend wir versuchten „im Fluss“ zu bleiben bei der gleichtzeitigen Bemuehung wieder aus ihm herauszukommen… und zwar am anderen Ufer…

Neuseelaendische Bergbaeche und -fluesse sind sehr spannend… wunderschoen, klar, blau, ihr Wasser erquickend an einem heissen Wandertag, es schmeckt gut und kuehlt die geschundenen Fuesse, Fluesse plaetschern ganz wundervoll, mal schneller mal langsamer in Wasserfaellen oder auch in kleineren Rinnsaelen, wenn sie denn fliessen… denn viele verschwinden, regnet es mal einige Zeit nicht. Sie tauchen aber schnell wieder auf, wenn der Regen beginnt, wachsen schnell an und verwandeln sich in oft reissende, graubraune Stroeme… und schwellen beinah so schnell wieder  ab.

Unsere letzte Wanderung mit unserer Mitbewohnerin Heide fuehrte noerdlich vom Lake Wanaka (um 500m) ueber den Gillespie Pass (um die 1500m): Es ist ein lieblicher, viertaegiger, im Winter nicht passierbarer Rundwanderweg mit einem eintaegigen Ausflug zu einem Gletschersee mit Eisbergen. Die Wanderung gilt als geheimer und noch nicht so recht entdeckter Pracht- und Touristenweg (Great Walk). Darum gibt es auf diesem Track (noch?) keine Bruecken. Er bietet also die erfreuliche Gelegenheit naehere Bekanntschaft mit neuseelaendischen Fluessen zu machen, sie hautnah zu erleben…

Der Weg war grossartig im Sonnenschein, die erste Flussquerung ein gutes Erlebnis: Schuhe, Socken, Hosen in den Rucksack.. oder oben drueber legen, und dann – mit langen Stoecken bewaffnet, in Sandalen, Flipflops und barfuss – wateten wir durch den Strom. Blos schnell rueber und wieder anziehen! Ich glaube, den Sandflies galt dabei unsere groesste Aufmerksamkeit.  Christophs Knie waren umspuelt, Heide und mir ging das eisige Wasser auch nur beinahe bis zur Huefte. Zwar war die Stroemung spuerbar, doch waren wir alle relativ schnell… wegen der Sandflies eben und weils im Fluss doch kaelter wird als man denkt, wenn man noch trocken und warm von der Sonne ist. 3 israelische Wanderer, die direkt nach uns kamen, gaben sich gar nicht erst damit ab ihre Hosen auszuziehen fuer die Querung.. ist doch alles pillepalle, dachten die sich und erinnerten sich erst als ihnen das Wasser an den Oberschenkeln  stand, dass sie ja ipod und Kamera in den Beintaschen hatten.

Die Sonne erfreute uns zwei lange Tage und wir verbrachten viele Stunden mit frischem Kaffee und Nickerchen auf dem hart erkaempften Pass mit einer traumhaften Aussicht (’stunning view‘) auf die Suedalpen. Auch wenn die weit hoehere Gipfel haben, fuehlten wir uns auf dem Pass ein bisschen wie auf dem Dach von Kiwiana. Der Pass ist darum nicht nur in Hoehenmetern (immerhin 1100 plus auf und ab) der Hoehepunkt der Rundwanderung… Neuseelaender halten von Serpentinen eher wenig und bevorzugen den direkten Weg, drum gehts steil auf und ab auf ihren Wanderwegen, die Knie beschweren sich und man fuehlt sich als haette man in Wahrheit das Doppelte an Hoehenmetern ueberwunden.

Die Huetten waren aus- bis ueberlastet (Wie verteilt man 30Personen auf 20 Betten?), Australier wie junge Israelis scheinen die Gegend gleichermassen zu lieben…  und das zu recht!!!

Am dritten Tag zog eine Regenfront ueber die Tasmanische See direkt in die Westkuste hinein und es begann zu troepfeln, zu regnen und spaeter zu giessem… um nicht den Abendregen abzubekommen beschlossen wir den Gletschersee ‚zu ueberspringen‘ und nur ein kleines Stueck zu laufen zur naechsten Huette und dort den Regen abzuwarten. Das bedeutete eine weitere Flussquerung, die schon erheblich spannender war und die wir, praepariert wie bei der ersten, diesmal aber zu dritt, enguntergehakt vornahmen… das Wasser war kaelter und irgendwie reissender um die Beine und beim letzten der drei Flussarme definitiv hoeher als bei der Flussquerung zu Beginn der Wanderung… aber die Sonne schien ja noch und das Sandflyproblem war nicht ganz so draengend.

Wie erwartet liess der Regen das Wasser steigen und wir verbrachten einen ruhigen, vertraeumten und verfressenen Tag in der „Kerin Forks Hut“ zusammen mit einem Hollaender und zwei Australiern und sahen zu, wie der Fluss stieg und stieg, grau wurde, farblos und ziemlich reissend wurde,

wie der Regen irgendwann nachliess und der Fluss wieder abzuschwellen begann, langsamer wurde… sodass wir dann am darauffolgenden Tag gemeinsam mit einem der Australier einen „Ausbruch“ wagten. Wir waehlteneine Stelle weiter Fluss abwaerts. Dort sah das Wasser etwas weniger tief und auch etwas weniger schnell aus als an anderen Flussabschnitten.

Der Australier – muskelbepackt mit 30 Kilorucksack und einer riesen Portion Mut – ging als erster und alleine… und schaffte es, das Wasser bis zum Bauch, ganz ohne zu schwimmen ans andere Ufer. Das machte uns Mut!

Wieder zu dritt und wie ueblich ausstaffiert tasteten wir uns vor in den Fluss… der tiefer und tiefer wurde, eisigkalt war und an den Beinen riss.

Als das Wasser Heides und meinen Bauchnabel ueberstieg begann ich mich zu fragen, ob Rucksaecke tatsaechlich schwimmen koennen und wie es ist mit Rucksack auf dem Ruecken zu schwimmen. Wir gingen weiter… immer im Fluss.

Als das Wasser noch tiefer wurde stellten Heide und ich beruhigt fest, dass Rucksaecke tatsaechlich erheblichen Auftrieb besitzen und dass man auch ohne direkten Bodenkontakt ganz gut vorwaerts kommt… man muss eben immer im Fluss bleiben beim Paddeln. Tatsaechlich war mein groesstes Problem in dieser Phase, beim Paddeln die Flipflops an den Fuessen zu behalten.

Als mein erster Wanderschuh (sie hingen auf Hoehe meiner Schultern) mit Wasser vollief begann ich mir Gedanken darueber zu machen, ob die Rettung meiner Flipflops tatsaechlich so wichtig war und wie es sich anfuehlt, auf einem Rucksack einen Flusslauf hinabzureisen.

Zum Gluck hat Christoph diese wundervollen langen Beine und verliert – wie ja die meisten von euch wissen – nicht so schnell den Boden unter den Fuessen auch wenn ihm das Wasser „bis zum Hals“ zu stehen droht.

Halb schwimmend, halb laufend  und immer im (Bewegungs)Fluss bewegten wir uns nun also durch den  Fluss unaufhaltsam aufs andere Ufer zu. Nass, steif und uebergluecklich (ja nach dem Adrenalin gibt es Serotonin und Endophine fürs Hirn) kletterten wir die Uferboeschung hinauf, wo uns schon der Australier mit den Sandflies erwartete.

Letztere machten sich mit Begeisterung ueber uns her, waehrend wir versuchten an unsere trockene Kleidung (bei mir ganz unten im Rucksack, grrrr) zu kommen und diese anzuziehen.

Tja, der Rest dieser Wanderung erlebten wir wie im Traum… Sonnenschein, warme Luft, ein einfacher Weg… unterwegs trafen wir dann noch ein paar Israelis die uns zum Kaffeetrinken einluden, der Australier teilte seine letzten Essensvorraete mit uns: Kaese, Wurst und Chilischokolade! Und bevor wir in die Verlegenheit kamen die letzte Flussquerung in Angriff zu nehmen (diesmal sah es wirklich nach Schwimmen aus), fuhr ein Jetboot an uns vorbei. Natuerlich streckten wir die Daumen raus und wurden auch gleich ans andere Ufer gebracht… nicht ohne bei voller geschwindigkeit ein paar Kurven zu drehen. Wir vier waren alle sehr dankbar fuer diese trockene und warme Art der Flussueberquerung…

Nun wisst ihr, wie es war „im Fluss“ und warum der Fluss dem Pass die Show stahl… Bilder kommen auch bald noch .

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